Inside Vau #3

Leaving Wiesbaden

Bis auf ein paar Menschen im Herzen und ein kleines Gedicht im Kopf, nehme ich nichts mit.

Wiesbaden Tschö

Limitiere

Grenzen überschreitet man

wird fündig und bestreitet dann

die Absicht dieses Überschritts.

Warum?

- Enno Uhde -

Inside Social Media #3

NSATerrorInternetNeulandSnowdenDatenschutzTrackingBigDataAngst

Kurzversion für Lesefaule und Freunde der ADS-Koketterie: Ich möchte an dieser Stelle Reggie Watts zitieren, der einst sehr treffend formulierte “You take some fuck then some shit then some fuck then some shit – You’ve got a fuck-shit stack. I can honestly say: I. JUST. DON’T. GIVE. A. FUCK!”.

ANGST

Was erfreue ich mich dieser Tage an der Vielzahl hysterischer Posts und Tweets à la “Jetzt hat die NSA es auch gelesen”. Bitte mal alle die Hände über den Kopf reißen und panisch mit aufgerissenen Mündern und Augen durch die Gegend rennen. Wir werden also überwacht und getrackt und wurden vorher nicht um Erlaubnis gefragt. So so. Ich muss mir jetzt erst wieder einen Keks holen, das ist ja alles so spannend.

Was verleitet Menschen dazu zu glauben, sie stünden im Zentrum geheimdienstlicher Ermittlungen? Kann es wirklich sein, dass ein Großteil der Menschen glaubt, in den Kellern der NSA (die sich ja bekanntlich in Neuschwabenland befinden, wo auch Hitler auf den Tag des Jüngsten Gerichts wartet um sich dann defreezen zu lassen), würde pro User ein Oompa Loompa damit beschäftigt sein, das Facebook-Profil, das Online-Banking, E-Mails und Telefonate zu überwachen? Vielleicht noch mit Beats Headphones auf den Ohren vor einem 27 Zoll iMac? Ich befürchte diese oder eine ähnliche Vorstellung herrscht in Köpfen einiger User.

Es gibt auch Solche, die behaupten sie hätten “ja nichts zu verbergen”. Bullshit! Natürlich haben wir etwas zu verbergen, nämlich unsere Privatsphäre. Deswegen fühlen wir uns so unwohl bei dem Gedanken, dass NSA-Oompa Loompas theoretisch sehen könnten, dass wir im letzten Monat 150 € im Eis.de – Shop gelassen, per Mail versaute Bilder an den Abteilungsleiter geschickt und 3 Std. mit Anastasia von der 0190-Hotline telefoniert haben. Es wird sich cholerisch über den Überwachungsstaat ausgelassen, während man fleißig postet, tweetet, blogt, mit der EC-Karte den 1000er Karton Kondome in der Metro bezahlt und sich bei Foursquare einloggt um der Welt mitzuteilen, dass man gerade im Louvre auf der Besuchertoilette hockt. Aber ey…. wehe die NSA checkt meine E-Mails, in denen ich regelmäßig Videos von kinetischem Sand und niesenden Kätzchen an meinen 1500 Mann starken Verteiler schicke. Für die Bauanleitungen von Stinkbomben habe ich mir natürlich einen Fake-Account bei GMX angelegt, ich bin ja nicht blöd. Das kriegen die NIE ‘raus!

Die größten Schreihälse sind dabei noch nicht einmal in der Lage ihr Facebook-Profil so einzurichten, dass eben nicht die halbe Welt die Urlaubsbilder mit den letzten drei Ex-Freundinnen oder Ex-Freunden sieht. Und nicht zu vergessen, Merkelchen haben sie ja auch belauscht, die Schweine! (ACHTUNG: “Schwein” ist ein verbotenes Wort und steht auf der Blacklist ganz weit oben, gleich hinter “Social Media”). So etwas tut man ja nicht, zwischen verbündeten Staaten. Da könne man ja gleich Agenten schicken! Oder Überwachungssatteliten ins All schießen. So weit kommt es noch!

Die NSA-Affäre verbrennt uns den Verstand, lässt uns zu einem desinformierten, wütenden Mob werden. Die definitive Gewissheit, dass es keine Geheimnisse mehr, außer die in unseren Köpfen, gibt, erzeugt ein Gefühl des Kontrollverlustes. Dass wir vom Staat immer schon beobachtet wurden, scheinen wir dabei zu vergessen. Wir vergessen auch, dass wir uns mit Vorsatz in den letzten 15 Jahren mit der ganzen Welt vernetzt haben. Wir sind alle online. Wir wollen alle online sein. Wir brauchen Smart-Phones, Smart-TV, Autos die SMS schreiben und Armbänder, die uns erzählen, dass wir zu fett sind. Wir können in Amsterdam per App checken ob noch Milch in unserem Kühlschrank in Hamburg ist. Diese “Digital Convenience” finden wir einfach GEIL! Und beschweren uns gleichzeitig, dass ein Teil dieser Informationen von Geheimdiensten abgegriffen wird. Die ebenfalls online sind. What’s the point?

Wie wird eigentlich meine Generation im Alter abgesichert sein? Oder wie viele Tausend Euro muss ich zahlen, damit ich in 25 Jahren anständig krankenversichert bin? Wir werden nämlich immer älter und fetter, falls das noch keinem aufgefallen ist. In Deutschland besteht so gut wie jeder Adipöse auf eine genetische Disposition und weist auf die überteuerten Preise von Gemüse hin. Ich vergas zu ergänzen: Wir werden auch immer dümmer! Weil wir jetzt in der Lage sind, in Amsterdam per App zu checken ob noch Milch im Kühlschrank in Hamburg ist. DAS sind Themen die für mich eine übergeordnete Relevanz haben.

Ich habe aber dennoch ein mitfühlendes Interesse daran die NSA weiterhin zu beschäftigen und poste deswegen nun alle Wörter die mich zum gefährlichsten Menschen des Universums machen. Sollte das dazu führen, dass ich demnächst nicht in die USA einreisen darf, werde ich meinem persönlichen NSA-Oompa Loompa eine Postkarte schicken und ihn für seine hervorragende Arbeit loben. Ich werde außerdem ein kleines Jäckchen häkeln und das an die Postkarte tackern. In Neuschwabenland ist es doch so kalt.

Department of Homeland Security (DHS) Federal Emergency Management Agency (FEMA) Coast Guard (USCG) Customs and Border Protection (CBP) Border Patrol Secret Service (USSS) National Operations Center (NOC) Homeland Defense Immigration Customs Enforcement (ICE) Agent Task Force Central Intelligence Agency (CIA) Fusion Center Drug Enforcement Agency (DEA) Secure Border Initiative (SBI) Federal Bureau of Investigation (FBI) Alcohol Tobacco and Firearms (ATF) U.S. Citizenship and Immigration Services (CIS) Federal Air Marshal Service (FAMS) Transportation Security Administration (TSA) Air Marshal Federal Aviation Administration (FAA) National Guard Red Cross United Nations (UN) Assassination Attack Domestic security Drill Exercise Cops Law enforcement Authorities Disaster assistance Disaster management DNDO (Domestic Nuclear Detection Office) National preparedness Mitigation Prevention Response Recovery Dirty bomb Domestic nuclear detection Emergency management Emergency response First responder Homeland security Maritime domain awareness (MDA) National preparedness initiative Militia Shooting Shots fired Evacuation Deaths Hostage Explosion (explosive) Police Disaster medical assistance team (DMAT) Organized crime Gangs National security State of emergency Security Breach Threat Standoff SWAT Screening Lockdown Bomb (squad or threat) Crash Looting Riot Emergency Landing Pipe bomb Incident Facility Hazmat Nuclear Chemical spill Suspicious package/device Toxic National laboratory Nuclear facility Nuclear threat Cloud Plume Radiation Radioactive Leak Biological infection (or event) Chemical Chemical burn Biological Epidemic Hazardous Hazardous material incident Industrial spill Infection Powder (white) Gas Spillover Anthrax Blister agent Chemical agent Exposure Burn Nerve agent Ricin Sarin North Korea Outbreak Contamination Exposure Virus Evacuation Bacteria Recall Ebola Food Poisoning Foot and Mouth (FMD) H5N1 Avian Flu Salmonella Small Pox Plague Human to human Human to Animal Influenza Center for Disease Control (CDC) Drug Administration (FDA) Public Health Toxic Agro Terror Tuberculosis (TB) Agriculture Listeria Symptoms Mutation Resistant Antiviral Wave Pandemic Infection Water/air borne Sick Swine Pork Strain Quarantine H1N1 Vaccine Tamiflu Norvo Virus Epidemic World Health Organization (WHO) (and components) Viral Hemorrhagic Fever E. Coli Infrastructure security Airport CIKR (Critical Infrastructure & Key Resources) AMTRAK Collapse Computer infrastructure Communications infrastructure Telecommunications Critical infrastructure National infrastructure Metro WMATA Airplane (and derivatives) Chemical fire Subway BART MARTA Port Authority NBIC (National Biosurveillance Integration Center) Transportation security Grid Power Smart Body scanner Electric Failure or outage Black out Brown out Port Dock Bridge Cancelled Delays Service disruption Power lines Drug cartel Violence Gang Drug Narcotics Cocaine Marijuana Heroin Border Mexico Cartel Southwest Juarez Sinaloa Tijuana Torreon Yuma Tucson Decapitated U.S. Consulate Consular El Paso Fort Hancock San Diego Ciudad Juarez Nogales Sonora Colombia Mara salvatrucha MS13 or MS-13 Drug war Mexican army Methamphetamine Cartel de Golfo Gulf Cartel La Familia Reynosa Nuevo Leon Narcos Narco banners (Spanish equivalents) Los Zetas Shootout Execution Gunfight Trafficking Kidnap Calderon Reyosa Bust Tamaulipas Meth Lab Drug trade Illegal immigrants Smuggling (smugglers) Matamoros Michoacana Guzman Arellano-Felix Beltran-Leyva Barrio Azteca Artistic Assassins Mexicles New Federation Terrorism Al Qaeda (all spellings) Terror Attack Iraq Afghanistan Iran Pakistan Agro Environmental terrorist Eco terrorism Conventional weapon Target Weapons grade Dirty bomb Enriched Nuclear Chemical weapon Biological weapon Ammonium nitrate Improvised explosive device IED (Improvised Explosive Device) Abu Sayyaf Hamas FARC (Armed Revolutionary Forces Colombia) IRA (Irish Republican Army) ETA (Euskadi ta Askatasuna) Basque Separatists Hezbollah Tamil Tigers PLF (Palestine Liberation Front) PLO (Palestine Liberation Organization Car bomb Jihad Taliban Weapons cache Suicide bomber Suicide attack Suspicious substance AQAP (AL Qaeda Arabian Peninsula) AQIM (Al Qaeda in the Islamic Maghreb) TTP (Tehrik-i-Taliban Pakistan) Yemen Pirates Extremism Somalia Nigeria Radicals Al-Shabaab Home grown Plot Nationalist Recruitment Fundamentalism Islamist Emergency Hurricane Tornado Twister Tsunami Earthquake Tremor Flood Storm Crest Temblor Extreme weather Forest fire Brush fire Ice Stranded/Stuck Help Hail Wildfire Tsunami Warning Center Magnitude Avalanche Typhoon Shelter-in-place Disaster Snow Blizzard Sleet Mud slide or Mudslide Erosion Power outage Brown out Warning Watch Lightening Aid Relief Closure Interstate Burst Emergency Broadcast System Cyber security Botnet DDOS (dedicated denial of service) Denial of service Malware Virus Trojan Keylogger Cyber Command 2600 Spammer Phishing Rootkit Phreaking Cain and abel Brute forcing Mysql injection Cyber attack Cyber terror Hacker China Conficker Worm Scammers Social media

 

Short Kick #2

Respect is not an Option

by Simon Hegenberg

by Simon Hegenberg

Hat einer im Leben eines anderen nichts mehr verloren, dann hat wohl der andere im Leben des einen auch nichts mehr zu suchen.

Und sollte es doch etwas geben, das der eine gesucht und der andere verloren hat, dann ist das höchstwahrscheinlich Respekt.

 

 

Inside Vau #2

Kurz vor Exitus

Kurzversion für Lesefaule und Freunde der ADS-Koketterie: Worüber reden wir? Sterben? Ok warte, ich hole mir mal gerade einen Keks.

Exitus

Aus Gründen der suboptimalen Beschaffenheit des Fadens an dem mein Leben zuweilen hängt, mache ich mir zwischendurch Gedanken über dieses Phantom namens „Tod“. Wir sind uns zwar bis jetzt nie direkt begegnet, aber es gab durchaus Momente in den letzten drei Jahren, da hatte ich den Eindruck er würde ein wenig ungeduldig, mit dem Fuß tippend, im Türrahmen der Notaufnahme lehnen und genervt mit den Augen rollen, weil ich einfach so ein widerspenstiges Ding bin. Und sich dann schulterzuckend umdrehen und wieder gehen.

Es gab Momente, in denen war ich schon jenseits von Gut und Böse. Das, wie in der Belletristik so oft beschriebene, kaleidoskopartige Vorbeiziehen des gesamten Lebens vor dem inneren Auge, trat dabei jedenfalls nicht ein. Eigentlich waren da nur Ruhe und eine langsam verblassende Erinnerung an ein Leben. Als würde man mit dem Auto aus der Stadt hinaus fahren und in dem Moment des Auffahrens auf die Autobahn vergessen, wo man eigentlich gerade war. Jedoch bekomme ich irgendwo in einem Winkel meines Restbewusstseins mit, dass die eintretende Tiefenentspannung einer ungemütlichen Unruhe weicht. Verursacht durch hektische Bewegungen, lautes Rufen und grobe Berührungen durch das Krankenhauspersonal. Mit der Gelassenheit hat man es in manchen Teilen Deutschlands nicht so, ich erhoffe mir aber eine smoothe Performance von den Kollegen im Rheinland. Da gibt es dann vielleicht Kölsch statt Ringer-Lösung?

Der Tod denkt sich wirklich abscheuliche Formate aus. Krankheiten, Unfälle, Gewalt. Dennoch, Angst davor haben? Nein! Die Menschen suhlen sich gerne mit Wonne in der grauseligen Vorstellung ihres Todesmomentes. Oder malen sich filmreife Szenarien ihrer eigenen Beerdigung aus. Und weinen dann dabei heimlich ein bisschen. Um sich selbst. Durchaus verständlich, ist man sich selbst ja der Nächste. Oder so.

Dabei könnte man das Ganze auch ein wenig entspannter sehen und sich darauf konzentrieren, dass der Tod an sich, oder der Moment des Sterbens so harmlos wie möglich werden, vielleicht mit Seifenblasen und Wunderkerzen. Oder mit Eierlikör und Herrentorte. Meine Urgroßmutter, zum Beispiel, bestand auf einen Cognac im Sterbebett, bekam ihren Willen und schlief dann sehr zufrieden ein. So sehr wie die Menschen sich bemühen die bombastischsten Hochzeiten und Geburtstage zu feiern, so sollten sie sich noch mehr bemühen das Sterben zu feiern. Hochzeiten kommen und gehen. Partys gibt es viele. Aber wie wäre es denn mal mit einem Gartenfest zum Todestag, einer Schiffsfahrt zum 6-Wochenamt und einem Picknick am Grab?

In Mexiko ist Allerheiligen beispielsweise ein sehr fröhliches Fest (http://www.mextrotter.com/de/mexiko-spezial/pilgerreisen/allerheiligen.html). In Wien kann man tolle Führungen über den Zentralfriedhof machen (http://www.wiensehen.at/zentralfriedhof/), auch lohnt es sich mal dem Kölner Melaten-Friedhof einen Besuch abzustatten.

Der Tod ist so unausweichlich und schmerzvoll. Aber er sollte mit Gelassenheit betrachtet werden. Ihm mit Angst und Hass zu begegnen frisst Zeit und Kraft. Alle Gefühle die mit unserem Tod oder dem eines geliebten Menschen verbunden sind, dürfen ihren Platz haben. Und ihre Zeit. Aber sie dürfen dann auch wieder gehen. Eine Drehtür für Emotio und Ration helfen da sehr. Herein kommen lassen, anschauen, gehen lassen. Adieu!

Mein aktuelles Lieblings-Synonym für das Wort “Sterben” ist übrigens “einen Flachmann bauen”. Für mehr Inspiration und weniger Panik: http://www.duden.de/rechtschreibung/sterben.

Inside Social Media #2

Du bist hart, du willst streiten

Kurzversion für Lesefaule und Freunde der ADS-Koketterie: Soziale Netzwerke und digitale Tools reduzieren die Komplexität zwischenmenschlicher Kommunikation auf ein Minimum und sorgen dafür, dass wir uns missverstehen. Während die digitale Welt den Rahmen für Unterhaltungen längst definiert hat, kann und will  der Mensch sich dem nicht anpassen und glorifiziert deswegen Telefone mit Wählscheibe, Briefe schreiben und das Reden von Angesicht zu Angesicht. Ich natürlich auch!

vivi_01 - Kopie

Fakt ist: In den 8 Monaten in denen ich keinen Account bei Facebook hatte, habe ich mich weitaus weniger gestritten, als in den Jahren vor der Löschung des Accounts und seitdem ich wieder bei Facebook angemeldet bin. Nämlich gar nicht.

Fakt ist auch: Mit 90% meiner sozialen Kontakte, mit denen ich mich online unterhalte, komme ich irgendwann in paraphrasische Schwulitäten. Und das betrifft nicht nur meine Konversationen auf Facebook, sondern auch die auf anderen digitalen Plattformen. Zwischen 2011 und 2013 mutierte WhatsApp für mich zum Medium der Polemik und verbalen Agonie. Mittlerweile nutze ich die App kaum noch.

Schon zu StudiVZ-Zeiten (2006 – 2009) bemerkte ich, dass sich irgendetwas verändert. Diese Veränderungen haben mit Sicherheit auch mit meinem sozialen Unvermögen zu tun, nichts desto trotz verstehe ich nun zum ersten Mal Marshall McLuhans These „The Medium is the Message“ – Das Medium ist die Botschaft. In den Vorlesungen zu Medienökonomie habe ich diesen Satz als medientheoretisches Bla Bla abgetan, das ich im Rahmen der Bulemie-Lernerei fraß und zur Klausur wieder auskotzte. Nun muss ich erkennen, dass das Medium die Inhalte unserer Unterhaltungen bestimmt. Medien sind NIE neutral. Sie übermitteln nicht nur Inhalte, sie SIND der Inhalt. Sie sind ein Teil von uns. Wir benutzen sie nicht nur. Wenn wir einen Hammer benutzen, dann wird er zur Verlängerung des Arms. Das Rad wird eine Erweiterung des Fußes und das Smartphone Multiplikator unserer Gedanken. Direkte Sprache in der analogen Welt und das geschriebene Wort bei Facebook können dieselben Themen diskutieren, jedoch wird der Inhalt nie derselbe sein. Es gibt ihn, den Unterschied zwischen analogen Gesprächen und digitalen.

Vau’sche Konversationen Offline: Sinnvolle, zusammenhängende Sätze. Einwandfreie Aussprache und Grammatik. Dazu rhetorische Geschicklichkeit und oft schlüssige Argumentationen. Sachverhalte werden kurz und knackig beschrieben, Wertungen und Meinungen je nach Fa­çon mal mehr oder weniger belletristisch ausgeschmückt. Mimik und Gestik orientieren sich  dabei an den Maori auf Neuseeland. Die Länge der Unterhaltung richtet sich meist nach dem Thema, den kognitiven Fähigkeiten und dem Good Will des Gegenübers. Es gibt durchaus Tage, an denen sitzt man Menschen gegenüber, die jeden zweiten Satz a) hinterfragen, b) aus Prinzip negieren oder c) nicht verstehen. An anderen Tagen wiederum hat man das große Glück mit Menschen zu reden, die in Lichtgeschwindigkeit assoziieren und das Reden somit fast überflüssig machen. Und selbstverständlich gibt es immer wieder Menschen, die mich im dialektischen Sinne herausfordern und diese Darstellung nicht unterschreiben würden.

Vau’sche Konversationen Online: Neben kruden Endlos-Schachtelsätzen, fehlenden Buchstaben und klingonischer Grammatik, ergeben viele Dinge, die ich online von mir gebe überhaupt keinen Sinn. Ich verstricke mich aufs Übelste in Nonsens-Diskussionen, widerspreche mir permanent und balanciere dabei auf dem schmalen Grat zwischen angeregtem (aber freundlichem) Schlagabtausch und verbalem Terrorismus. Das Groteske hierbei: Diese Unterhaltungen triggern mich emotional sehr viel mehr als jene, die ich von Angesicht zu Angesicht führe. Grund hierfür ist, dass ich die Intention oder die Stimmung meines „Gegenübers“ im Tonfall des Geschriebenen nur vermuten kann und diese dann teilweise falsch interpretiere. Gerade wenn man Menschen nur unzureichend kennt, kann diese Eigenschaft des Mediums sehr hinderlich sein. Und so passiert es mit einer fast kalkulierbaren Regelmäßigkeit, dass ich Online-Unterhaltungen abbreche oder unterbinde, aggressiv die Tastatur meines Laptops zerrocke oder einfach nur komplett resigniert Kontakte und Handynummern lösche, weil ich die digitale Präsenz des anderen nicht mehr ertrage.

Soziale Netzwerke und digitale Kommunikationstools (Video-Chats ausgenommen) lassen nur einen Bruchteil unserer kommunikativen Fähigkeiten zu und determinieren den Inhalt von Konversationen. Sie sind nicht geeignet, um Emotionen, Stimmung und Tonfall zu transportieren und fordern den Rezipienten somit zu übermenschlichen, hellseherischen Leistungen auf. Natürlich verringert sich die Problematik wenn man den Gesprächspartner offline kennt, sein gesamtes audiovisuelles Kommunikationsverhalten über längere Zeit beobachten konnte. Dennoch wird deutlich: Der Mensch versucht seine, über Jahre erlernten, Kommunikationsmuster aus der analogen in die digitale Welt zu übertragen. Das funktioniert nicht!

Jüngere Generationen folgen dem umgekehrten Prinzip. Sie übertragen ihr digitales Sprachverhalten in die analoge Welt und haben ihren Wortschatz, wenn er jemals vorhanden war, reduziert, um es freundlich auszudrücken. Die Fähigkeit sich über eine geraume Zeit mit nur einer Person “in Echt” über ein Thema zu unterhalten und sich dabei verständlich und überlegt auszudrücken wird nunmehr zum außerordentlichen Talent erhoben und manövriert die Person in den Status eines nächsten Kommunikations-Dalai Lamas.

Als Essenz meines Online-Problems bleibt: “Du bist hart, du willst streiten Tag ein, Tag aus – Doch alles was Du sagst geht Bla rein, Bla raus”. http://www.tape.tv/musikvideos/Marteria/Du-willst-streiten-tapelive

Inside Menschen #1

„Aber das darfst Du jetzt echt keinem erzählen, ja?“

Kurzversion für Lesefaule und Freunde der ADS-Koketterie: Wir lieben es Vertrauliches nicht für uns zu behalten. Natürlich verurteilen wir das auch aufs Schärfste. Dennoch, Räuber und Gendarm spielen war gestern. Heute spielen wir im Freundeskreis Snowden und USA. Und finden das normal.

Was sind wir empört und geschockt und werfen unsere imaginäre Diva-Federboa über die Schulter wenn wir herausfinden, dass eine Person, der wir etwas anvertraut haben, geplappert hat. Meistens über irgendetwas was uns wiederum eine andere Person im Vertrauen erzählt hat. Die meisten von uns schaffen es einfach nicht Geheimnisse für sich zu behalten.

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Vertraulichkeiten sind für uns Erwachsene die verbotene Keksdose auf dem Schrank. Man darf sie nicht anrühren. Man versucht zunächst die Dose zu ignorieren. Man läuft Runden um den Esstisch, durch die Küche und wieder zurück – um dann doch wieder vor dem Schrank zu stehen. In Konversationen mit unseren Mitmenschen schleichen wir um den Schrank mit der Keksdose wie die Katze um den heißen Brei. Wir denken, während wir vom Wetter oder der letzten Nacht erzählen, nur an die Geheimnis-Keksdose. Irgendwann platzt es aus uns heraus. Wir holen uns einen Stuhl, klettern darauf, schnappen uns die Dose und brüllen unserem Konversationspartner ins Gesicht „Ey, weißt Du was? Aber das darfst Du jetzt echt keinem erzählen!!! Die Katja und der Peter haben ne Affäre miteinander / Stefan hat ne Andere / Susanne vögelt ihren Chef!“. Kaum ausgesprochen und dem Gegenüber einen erstaunten, geschockten oder gierigen Ausdruck ins Gesicht gezaubert, fühlen wir uns hundeelend. Es ist passiert. Aber es hat sich einfach irgendwie geil angefühlt. Wir lieben diesen Kick! Wir brauchen das Schwur Brechen als eine Form der Rebellion gegen ungeschriebene Freundschaftsgesetze. Wir erleben dabei einen Mini-Orgasmus durch die Stimulation unseres quasi-kriminellen G-Punktes.

Das Vertrauen eines anderen Menschen ist oftmals nur so viel wert, wie wir mit ihm fühlen. Themen, die uns persönlich nicht tangieren, sind sehr viel schneller ausgeplaudert, als Dinge die uns selbst betroffen machen und dem Bewahren des Geheimnisses eine Logik zuweisen. Menschen, die Vertrauliches erstmalig einer anderen Person erzählen, verfolgen dabei überwiegend die Absicht, dass er oder sie es definitiv in Umlauf bringt. Der Rest legt es in die Hände eines Freundes – Damit das Herz ein wenig leichter wird und das Gegenüber Wertschätzung erfährt.

Jedoch, ein echtes Geheimnis muss nicht geteilt werden. Es fühlt sich in der Verborgenheit unserer Herzen wohl und drängt nicht nach draußen. Wenn es das tut und die Treppe vom Herzen zum Sprachzentrum schon erklommen hat, kann es kein Geheimnis mehr sein. Nur vielleicht ein peinliches, unangenehmes oder verbotenes Detail aus unserem Leben, das wir bereits verarbeitet haben und dessen Konsequenzen wir nicht mehr fürchten.

Vertraulichkeiten eines anderen zu bewahren ist eine der größten Herausforderungen zwischenmenschlichen Miteinanders. Wir messen dem Vertrauen oft so wenig Wert bei, dass gerade die Verschwiegenheit eines wahren „Keepers“ das höchste Gut der Freundschaften ist. Daran fühlen wir die Treue und Ehrlichkeit des Anderen. Daran können wir unsere Komplizen für das Leben erkennen.

Kinder verraten übrigens freiwillig keine Geheimnisse. Nur wenn man sie mit Keksen lockt.

Inside Social Media #1

Blogs machen kriminell!

Kurzversion für Lesefaule und Freunde der ADS-Koketterie: Wer einen auf dicke Blogger-Hose machen will muss tricksen. Und gemein sein. Und böse. Aber vor allem total individuell. Hipster und so...

Man wacht eines Morgens auf und denkt sich “Hui ist mein Leben öde. Da hilft wohl nur ein Blog!”. Gut, ganz so läuft es nicht, das ist schon ein mehrstufiger Prozess, bestehend aus konzentrierter Langeweile, schleichendem Wahnsinn und diesem neumodischen “Overthinking”. Der Kopf ist zu voll. Ich habe manchmal Angst, dass ich mir zu viel Mist merke und dafür schöne Erinnerungen aus meinem Kopf schmeiße. Plötzlich steht man da und kennt Sylvie van der Vaarts Leben besser als das Eigene. Tragisch! Aus diesem Grund muss der ganze Kram mal raus da. Und weder das gesprochene, noch das geschriebene Wort existiert zum Selbstzweck, also her mit dem Blog!

Bis vor drei Monaten wusste ich noch nicht einmal was man tun muss, um so ein Blog zu erstellen. Heute könnte ich jedem von Euch innerhalb eines Tages ein Blog zaubern, das so glänzt und so strahlt und nur so trieft vor Content, dass jeder Blogger-Hipster-Individuellen-Geek vor Neid erblassen würde. Einziger Nachteil: Man lügt. Und zwar wie gedruckt! Denn die echten, dicken Blogs mit endloser Blogroll existieren seit Jahren. Und wenn man nicht wie das Männlein im Walde ganz still und stumm stehen will, dann muss man eben so tun als wäre man seit Jahren im Business.

Nicht kriminell: Vau Wilde

Nicht kriminell: Vau Wilde

Ich wollte natürlich auch so tun als sei ich Jahre dabei. Bis vor Kurzem sah dieses Blog aus als wären Steve Jobs, Alexander McQueen und Jim Carrey gemeinsam auf einem ziemlich coolen Pilze-Trip gewesen und hätten ihren gesammelten Genius auf ein WordPress Template erbrochen, welches sie dann Jenna Marbles zur Interpreation überlassen hätten. Zudem habe ich auch wertvolle Tipps wie diese hier berücksichtigt:

  • “Regel Nummer 1: I had a blog before you had a blog [...] Ein Blog mit drei Einträgen sieht irgendwie blöd aus. Das bedeutet natürlich nicht, dass du dich als Neublogger mit dem Schreiben eigener Artikel, dem Finden eines eigenen Stils oder gar mit Experimenten mit dem Medium herumschlagen musst. Es bedeutet nur, dass du durch zurückdatierte Artikel so tun musst, als wärst du schon länger ‘dabei’. [...]“
  • “Regel Nummer 4: Sei mysteriös und gemein [...]“
  • “Regel Nummer 5: Stelle technische Fragen [...] Immer wieder gut funktioniert auch das Bashing von Windows- oder Macintosh-Systemen (die Richtung ist ziemlich egal), für fortgeschrittenere und ganz mutige Neublogger empfehle ich das laute Sinnieren über die Chancenlosigkeit von Linux als Betriebssystem für den normalen Endverbraucher” [...].
  • “Regel Nummer 9: Stöckchen. Mache jeden Scheiß mit. Jeden. Erfinde uninteressante Listen, die du selbst beantwortest und leite sie mit den Worten “Dieses Stöckchen wurde mir gerade zugeworfen” ein. Leite die Liste (nur die Fragen) mit einem Link auf deine eigene Site an etwa 300 dir persönlich völlig unbekannte Blogger weiter [...]“

(Mehr davon auf: http://www.spreeblick.com/2005/07/12/erfolgreich-bloggen-so-gehts/)

Ach was hab ich doch herzlich gelacht als ich diese ganzen Regeln las. Und dann fiel mir auf, dass das irgendwie ein bisschen traurig ist. Und, dass es für ein Steve Jobs-Alexander McQueen-Jim Carrey-Blog keine Rechtfertigung gibt. Also habe ich alles gelöscht und neu gemacht. Jetzt hat mein Blog zwei Einträge. Das ist schon mal mehr als einer. Oder keiner. Oder gar kein Blog. Vau.

Photo by Simon Hegenberg | http://www.simonhegenberg.de